Erzählung: Behutsame Antwort

Walker fuhr noch einmal über die Stoppeln auf seinem Kinn. Sechzehn Stunden im Kommandosessel hinterließen ihre Spuren an ihm. Nach einem turbulenten Ritt durch die Hobus-Schockwelle – mal wieder – und einer Reise zurück zu Excalbia im 23. Jahrhundert, war er mehr als bereit für eine Pause, aber die Arbeit eines Captains war nie zu Ende. Er dachte, nicht zum letzten Mal, dass mit all dieser verwunderlichen Zeitreise-Technologie auf der Pastak, doch irgendjemand bereits einen Weg erfunden haben müsste, wie man in kürzester Zeit eine ganze Nacht voll Schlaf erhalten könnte.

„Sie bewegen sich wieder“, berichtete ihm die Wissenschaftsstation. „Richtung 112, Mark 12 … Vorbereitung auf Warp.”

Walker drehte seinen Stuhl leicht, um nach Lieutenant Lefler zu sehen, aber selbst sein erschöpfter Geist erkannte schnell die Situation. „Tholianischer Raum. Sie fliegen überall hin und her. Steuermann, das Übliche: Aktivieren Sie unsere Systeme fünfzehn Sekunden, nachdem sie das System verlassen haben, verfolgen Sie sie und suchen Sie uns ein schönes Versteck am Zielort.“

„Aye, Captain“, antwortete er wie erwartet. Walker stand auf, bewegte sich zur Navigationsstation und blickte auf die Konsole. Excalbia war ein gefährlicher Ort. Die Excalbianer waren eine fortschrittliche Zivilisation mit enormen Fähigkeiten. Auch wenn sie nicht so gut wie Q waren, waren sie immer noch extrem gefährlich. Sie konnten Gedanken lesen, Materie umgestalten und besaßen keinerlei moralischen Kompass für das 23. Jahrhundert. Walker war froh, diese Welt hinter sich zu lassen.

„Scheinbar fliegen sie in den Interphasenraum“, grübelte Walker laut. Er hatte festgestellt, dass wenn er seine Vermutungen laut aussprach, seine Crew ihm antworten würde und er somit seine Theorien verfeinern konnte.

„Ja, Sir. Die Defiant wird dort in etwa … zwei Monaten ab jetzt verschwinden“, sagte Lefler.

„Sie machen langsam ernst“, murmelte Walker, als er sich umdrehte und zur Brücke eilte. „Ich schätze, wir haben keine Agenten in der Gegend?“

„Nein, Sir“, kam die Antwort. „Noch nicht, zumindest. Wir machen immer noch keine Fortschritte mit den Tholianern, und es ist einfach zu gefährlich, hier langfristig Agenten zu stationieren.“

„Verdammt“, fluchte Walker. Er nahm Platz, gerade als das Schiff in den Warp überging und der Spur des anderen Schiffs folgte.

„Die Na’kuhl verteilen also ihre Agenten in der gesamten Zeitlinie – ab dem 22. Jahrhundert. Perfekter Zeitpunkt, um die Föderation zu destabilisieren“, sagte Walker und sprach seinen Gedanken wieder laut aus. „Doch die Defiant ist nicht gerade kritisch dafür, außer dass sie die Entwicklung des Spiegeluniversums beeinflusst. Aber selbst das würde die Stellung der Föderation unseres Universums nicht verändern. Also was machen die hier?“

„Ich bin mir nicht sicher, Ben, aber Kirks Enterprise antwortet eventuell auf die Defiant, und alles, was die Enterprise beeinflusst, hat einen schwerwiegenden Einfluss auf die Zeitlinie. Siebzehn temporale Verstöße, wie sie wissen“, sagte Commander Nereda. Walker hielt inne und wandte sich seinem cardassianischen Ersten Offizier zu, der leicht grinste. Eines ihrer überschlagenen Beine wippte auf und ab, wodurch er erkannte, dass sie ihn verhöhnte.

Walker beschloss mitzuspielen. „Sie haben schon in drei verschiedenen Systemen Agenten ausgesetzt. Und jetzt wollen sie hier einfach … zwei Monate auf den Vorfall mit der Defiant warten?“

Nereda zuckte mit den Schultern und ihr Lächeln wurde etwas breiter. Sie neigte ihren Kopf und antwortete: „Warum nicht? Vielleicht gehen sie zurück nach Hause und schauen etwas Unterhaltung. Oder spielen eine Runde. Oh, aber die Sonne ihrer Heimatwelt ist in die Luft geflogen. Ich schätze, die alte Redensart von der Erde stimmt: Ihr könnt nicht wieder nach Hause.“

Walker schloss seine Augen und massierte den Rücken seiner Nase. „Es ergibt keinen Sinn, hier jetzt einen Agenten abzusetzen – oder einen mit ihrer Tarntechnologie weiter zurückzulassen. Hier gibt es nur Tholianer und die interessieren sich für niemanden, weder Na’kuhl noch sonst wen. Es gibt hier nichts zu tun, nichts zu sehen, nichts …“, er brach ab.

Plötzlich wandte sich Walker der Wissenschaftsstation zu. „Warte. Sie haben ihre Agenten, genau wie wir, in der gesamten Zeitlinie verteilt, damit sie an der Zeit herumspielen können. Agenten und Gegenagenten spielen einen Kalten Krieg in der gesamten Geschichte. Deswegen brauchen wir Augen auf dem Boden, weil wir ihre Tarnung nicht erkennen können. Aber warum so weit zurück für etwas, das keine Rolle spielt? Außer … sie wollen die Föderation stürzen.“

Nereda grübelte und sagte: „Also lassen sie hier ein paar Agenten zurück, die jahrelang nichts tun, und darauf warten, dass die Tholianer anfangen, die Föderation zu bekriegen? Wir beide wissen, dass ein solcher Krieg zwar teuer wäre, aber die Tholianer könnten die Föderation des 23. Jahrhunderts niemals besiegen.“

Nereda seufzte und zählte ihre Finger ab. „So ein Krieg damals – hier und „jetzt“ – würde zu einem Zweifrontenkrieg gegen die Klingonen führen, aber sobald die Organianer dazu stoßen würden diese alle lang genug aufhalten, bis die Föderation das Chaos ordnen kann. Diese Verschnaufpause verstärkt die Fremdenfeindlichkeit der Tholianer, sie nehmen nicht länger am Krieg teil und alles wird wieder so, wie es war, auch wenn die Föderation kurz glaubte, dass es finster aussieht. Die Na’kuhl gehen nicht nach Organia und versuchen ihre Sonne zu sprengen oder ähnliches, weil die Organier sie mit Sicherheit entdecken und neutralisieren würden, also können sie hier gar nichts ausrichten.“

Walker schüttelte seinen Kopf und rief eine Aufzeichnung auf dem Computer auf: ABWEICHENDE ZEITLINIEN. „Denken Sie daran, im 25. Jahrhundert ist dieses Gebiet stark unter tholianischem Einfluss. Die Na’kuhl können die gewünschte Zeitlinie nicht direkt beeinflussen, also mischen sie sich jetzt ein, um Dinge später zu ändern. Sehen Sie. Oh, es ist ein meisterhafter Umweg. Lefler, lassen Sie unsere Sensoren nach Sonden, Behältern, kleinen Frachtshuttles scannen – alles, worin Sie jemanden verstecken könnten.“

Lieutenant Lefler nickte und begann zu arbeiten, während Nereda aufstand und mit einem fragenden Blick zum Captain lief. „Ich verstehe nicht, was Sie meinen. Sie lassen einen Agenten hier für zukünftige Probleme? Das nächste, worin die Tholianer verwickelt werden, ist der Tox Uthat, und wir wissen bereits, wie das ausgeht. Wir werden da sein“, sagte sie spöttisch.

„Da“, sagte Walker und zeigte mit dem Finger auf den Bildschirm. „Es ist eine abweichende Zeitlinie, in der die Föderation von den Tholianern überrannt wird. Und … es ist natürlich die Enterprise. Sie lassen jemanden zurück, um die Zeitlinie zwei Jahrhunderte später zu beeinflussen, wenn die Enterprise-C versehentlich in den Tholianischen Raum eindringt, während sie sich auf ihrer Zeitreise befindet. Halte die Enterprise von der Berichtigung der Zeitlinie ab und plötzlich wird die abweichende Zeitlinie zur aktiven Zeitlinie. Die gesamte Föderation versklavt. Alpha- und Beta-Quadrant unter der Knechtschaft der Tholianer.“

Nereda spitzte ihre Lippen und sagte: „Klingt nicht gut. Aber wir haben das Problem bereits gelöst. Wir waren auch dort da.“

„Sie wissen, dass das so nicht funktioniert. Die Kausaleffektordnung sortiert noch immer. Wenn wir sie machen lassen, werden die Na’kuhl diese Zeitlinie zurücksetzen und dann … wird dies unser Ende sein. Uuund … da ist es“, sagte Walker, als die Scanner einen kleinen Pod registrierten. Er ging zum Kommandosessel zurück, setzte sich aber nicht hin. „Bereiten Sie eine verschlüsselte Nachricht vor. Lassen Sie einen Agenten diesen Pod aufsammeln.“

Die Crew arbeitete effizient, als Nereda zurück zum Kommandobereich ging und sagte: „Es wäre besser, wenn wir ihn selbst aufsammeln und dem Insassen ein paar angemessene Fragen stellen würden.“

Walker schüttelte seinen Kopf. „Sie kennen die Regeln. Keine direkte Einmischung. Die Agenten dieser Ära werden sich darum kümmern. Kontaktieren Sie Agent T’lerru. Die Romulaner dieser Ära besitzen Tarntechnologie. Sie können ihre Schiffe einsetzen, ohne bemerkt zu werden.“

Commander Nereda schmollte kurz und antwortete: „Jawohl, Sir. Ich hatte gehofft, dass Sie dieses Mal ihre Meinung ändern, aber ich schätze, es ist in Ordnung, wenn wir nach den Regeln handeln.“ Sie nahm Platz und machte eine Handbewegung in Richtung eines der Junioroffiziere, die bedeutete „Sie haben den Captain gehört“.

Walker setzte sich endlich in den Stuhl. „Was nun?“, fragte er, als die Erschöpfung wieder einsetzte.

Nereda berührte die Konsole an der Seite ihres Sitzes und antwortete anschließend: „ Das Na’kuhl-Schiff verlässt das System mit geringem Warp. Wo auch immer sie als nächstes hinfliegen, sie haben es nicht eilig. Vielleicht warten sie auf neue Befehle oder sie sind mit ihren Aufgaben fertig. Wir müssen immer noch nach Romulus und acht Monate in der Zeit zurück, um Agent T’lerru abzusetzen, damit sie heute für uns hier sein kann. Sie möchte schnell nach Romulus zurück.“

Walker nickte und stand erschöpft wieder auf. „In Ordnung. Commander, Sie übernehmen. Ich werde mich um ein anderes dringendes Problem kümmern.“

„Was wäre das, Captain?“, fragte Nereda, als sie sich in den Kommandosessel setzte.

„Schlaf“, sagte Walker. „So etwa ein Jahrhundert lang.“

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Quelle: Startrekonline.com