Letzter Abschied

General Vosk wandte sich an die versammelten Na’kuhl:

„Sie sind die besten unserer Elite-Truppe. Ich habe sie eigenhändig aus unserem gesamten Militär ausgewählt, um eine Mission zur Rettung unseres Volkes durchzuführen.

Aber es ist eine Mission, von der es kein Weg zurückgibt.

Daher bitte ich um Freiwillige.“

Einige Na’kuhl traten vor.

„Nein, ich möchte, dass Sie nach Hause gehen und mit Ihren Familien sprechen. Ich möchte, dass Sie wissen wofür Sie kämpfen und was Sie für immer hinter sich lassen. Und wenn Sie sich entscheiden, an dieser glorreichen Mission teilzunehmen, dann verabschieden Sie sich und kommen morgen zurück. Wegtreten.“

Braag ging nach Hause, seine Schritte schwer vor Angst. Seine Eltern missbilligten seinen Beitritt zum Militär und würden am Boden zerstört sein, wenn sie ihn nie wieder sehen würden.

Als er zuhause ankam, roch es nach gebratener Grünratte. Grünratten waren eine Art kleiner Nagetiere und ein Lieblingsgericht von Braag. Seine Mutter bemühte sich, ihm während seines Aufenthaltes all seine Lieblingsgerichte zu kochen.

Er hörte die Stimme seiner Mutter aus der Küche, als er das Haus betrat: „Braag? Bist du es? Wasch dir die Hände, das Essen ist fast fertig.“

Braag wusch sich brav die Hände und setzte sich an den Tisch. Sein Vater saß bereits und las eine Datei auf seinem PADD.

„Ich habe wilde Gerüchte gehört, dass das Militär irgendwelche Pläne hat. Du weißt nicht zufällig irgendetwas darüber, oder?“

„Nein. Nicht wirklich.“

Seine Mutter kam mit einer gebratenen Grünratte hereingestürmt, glänzend und voller Bratensaft. Sie legte sie mit Schwung auf dem Tisch ab.

„Nicht wirklich? Was meinst du damit?“

Braag seufzte. „Sie haben mich gefragt, an einer Mission teilzunehmen. Aber sie sagen, es gibt kein zurück.“

Der Raum war so still, dass Braag die Haut der Grünratte brutzeln hörte.

Sein Vater erholte sich schließlich: „Ich verbiete es dir.“

„Hulth, Braag ist ein erwachsener Na’kuhl. Du kannst es ihm nicht verbieten. Aber wir können darüber reden, nicht wahr, Braag?“

„Ja, ich soll es sogar mit euch besprechen“, sagte Braag.

„Das ist wieder Vosks Wahnsinn. Nun, ich bin dagegen! Er gibt der Föderation die Schuld an all unseren Wunden, aber das war vor mehr als 400 Jahren! Und es waren die Tholianer, die den Tox Uthat verwendet haben, nicht die Föderation.“

„Das mag sein, Vater. Aber wenn es die Föderation nicht gegeben hätte, gäbe es auch keinen Tox Uthat und die Tholianer hätten unseren Stern nicht auslöschen können.“ Sein Vater verdrehte die Augen und grunzte.

„Und davon mal abgesehen, welche Unterstützung haben sie uns gewährt? Keine. Sie haben zugesehen, wie wir zu Flüchtlingen wurden und uns über die Sterne verteilt haben. Sie haben zugelassen, dass die Ferengi uns jagen. Sie haben den Klingonen und den Cardassianern erlaubt, uns zu unterjochen. Sie haben uns zum Abschaum der Galaxie werden lassen!“

„Aber sie haben auch immer und immer wieder versucht, uns ihre Unterstützung anzubieten. Und wir haben sie immer abgelehnt.“

„Weil ihre Unterstützung immer mit einer Forderung gekommen ist! Wir haben gesehen, wie sie ihre Feinde mit ihrer ‚Unterstützung‘ untergraben haben. Sieh dir an, wie sie das Klingonische Reich und die Romulanische Republik übernommen haben! Das sind nur noch Vasallenstaaten für die Könige der Föderation!“

„Und wäre das eine solch schreckliche Sache? Wenigstens hätten wir dann Frieden und Wohlstand!“

„Aber zu welchem Preis? Wir wären für immer eine vergessene und vernachlässigte Spezies in der großen Vorherrschaft der Menschen. Dieser Frieden ist nicht der Weg der Na’kuhl.“

„Wir waren mal ein friedliches Volk.“

„Bis die Föderation alles veränderte.“

„Es war nicht ihre …“

„Genug, Vater. Wir haben oft genug darüber gesprochen“, Braag schaute auf die Grünratte, „ich habe keinen Appetit mehr. Ich gehe auf mein Zimmer, meine Sachen packen.“

Braag stand auf und verließ den Tisch.

Braags Mutter beobachtete still, wie ihr Sohn ging. Anschließend lief sie um den Tisch herum und nahm ihren Ehemann in den Arm. Er sah aus, als wäre er in einem einzigen Moment um hunderte Jahre gealtert.

„Was haben wir nur falsch gemacht, Daltha? Haben wir ihn nicht dazu erzogen, für sich selbst zu denken? Aber er plappert nur Vosks Argumente nach.“

„Es ist nicht unsere Schuld, Hulth. Diese Propaganda gegen die Föderation hat sich über Jahrhunderte hinweg aufgebaut. Du weißt wie es war, als er aufgewachsen ist. Wenn er der Jugendbrigade nicht beigetreten wäre, wäre er ein Außenseiter gewesen.“

„Ich dachte immer, er würde da herauswachsen. Eines Tages würde er aufwachen und feststellen, dass er eine Wahl hat.“

„Das dachte ich auch. Und nun verlässt uns unser Sohn für eine Mission, von der er wahrscheinlich nie zurückkehren wird. Wollt ihr im Streit auseinandergehen?“

Hulth schaute seiner Frau ins Gesicht, „Nein, du hast natürlich recht, Daltha. Ich weiß nicht, was ich ohne dich tun würde.“

Das Paar ging in das Zimmer ihres Sohnes. Die Tür stand offen. Braag hielt ein Holobild in seiner Hand, aber er starrte leer aus dem Fenster und war in Gedanken versunken.

„Sohn, es tut mir leid, dass wir gestritten haben. Es ist einfach so schwer, seinen einzigen Sohn zu verlieren.“

Braag rieb sich heimlich seine Augen und drehte sich um.

„Ich werde dich vermissen, Vater.“

„Auch wenn wir deine Entscheidung nicht gutheißen, wir lieben dich und akzeptieren sie daher.“

„Danke, Vater. Das bedeutet mir sehr viel.“

„Gut. Da dies nun geklärt ist, die Grünratte wird kalt.“

Die kleine Familie kehrte zum Tisch zurück und setzte sich für ihr letztes gemeinsames Mahl zusammen.

Sie sprachen nicht mehr von der Mission oder über Politik, sondern erinnerten sich an erfreuliche Momente und genossen den letzten Abend als Familie. Auch wenn Grünratte ein Lieblingsgericht der Familie, und Daltha eine ausgezeichnete Köchin war, schmeckte es wie Asche auf ihren Zungen.

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Quelle: Startrekonline.com